Rückblick auf meine Sommersportwoche
Ich wollte nicht weg fahren. Zwar kann ich nicht behaupten, dass es dort voll von Spannung und super toller Aktivitäten war, aber ich hab mich unheimlich wohl gefühlt. Viel zu heiß, ein ordentlicher Sonnenbrand und tausend spitze Steine am Strand des Gardasees die sich mit unglaublicher Hartnäckigkeit immer in die schmerzlichsten Stellen des Fußes gestochen haben , aber viele gut gelaunte Menschen und Freunde. Keine Probleme, keine Gedanken, keine Grenzen - meine Sommersportwoche am Gardasee am Ende der 4ten Klasse.
Als wir gestern nach fast 8 Stunden Fahrt beinahe daheim waren, wollte ich nicht aussteigen. Ich wollte nicht wieder da sein, doch wie immer musste auch diese Woche zu Ende gehen und ich musste an diesem eiskalten, verregnetem Tag aussteigen und damit meine Rolle in meinem Leben wieder annehmen.
Von der sportlichen Seite her gibts da eher weniger zu sagen.Hab wieder mal die Sache mit dem Fußballspielen versucht, und gleich am Anfang ne rießige Wunde am Knie bekommen :-)Am zweiten Tag hab ich Krankenbetreuer gespielt und da es schon um 10 Uhr Vormittags so heiß war, wurde die Sportstunde auf Frühsport verlegt. Der Lehrer hat nur den Fehler gemacht uns zu sagen, dass es freiwillig ist und wir nicht kommen müssen. So also ist es passiert, dass wir zu dritt um 8 Uhr vor dem Fussballplatz ohne Ball gesessen sind. Aber da wir schon da waren und niemand eigentlich gehen wollte, sind wir drüben auf einer Bank gesessen und haben über Gott und die Welt geredet, während die Sonne langsam über die Berge gekrochen ist.Hier muss ich natürlich anmerken , dass es Balsam für die Seele ist, sowas zu beobachten während man sich so unheimlich wohl fühlt und einfach nur fallen lässt.
Das Wasser und der Strand an sich waren eigentlich sehr schön, wenn man von den Steinchen absieht. Wir mussten zwar immer etwa 30 Minuten zu Fuss runter gehen aber da wir immer in größeren Gruppen unterwegs waren, fand ich die Wege eigentlich immer sehr lustig. Das Wasser an sich war recht kühl und das lustigste - ich bin echt unheimlich Kälteempfindlich, aber die Burschen waren ja noch viiell feiger wenn es um das Wasser ging. Ab und zu gab es kleinere Wellen. Es war zwar nicht genug um sich auf sie drauf zu werfen und weg getragen zu werden aber es war ein tolles Gefühl hin und her geworfen zu werden und dabei jede Menge Wasser zu verschlucken.
Einmal haben wir uns ganz nahe am Strand festgehalten und einfach die Wellen über uns fallen lassen, sodass das Wasser immer wieder über uns hinweg geschwappt ist.Es hat sich so angefühlt als ob man ein kleiner Teil der unendlichen Kraft der Natur wäre.Kein wiedersetzten, kein ankämpfen , kein Hinterfragen - nur zulassen.
An einem Tag gab es eine dreier Aufteilung. Während die anderen wandern oder im Gardaland waren, haben wir uns eine Halbinsel angeschaut. An sich ist diese Stadt sehr schön. Mit kleinen, engen Gassen und Blumenverwachsenen Häusern, zwei alte Burgen und eine alte Kirche.Wir haben riesige Mengen an tollen Eissorten gesehen und am Nachmittag waren wir am Strand. Da mir das Wasser aber dort gar nicht gefallen hat, hab ich mich mit dem Rasensprenger begnügt. Meine Laune war bis dahin ziemlich am Tiefpunkt wegen der Hitze, aber sinnloses rumhüpfen vor einem Wasserstrahl und aus vollem Herzen zu lachen, lässt schlechte Laune einfach nicht zu.Da gibts ein nettes Photo wo mich alle Leute in der Umgebung fassungslos anschauen. Aber das war mir alles sowas von egal.
Um unsere Kulturkenntnisse aufzubessern waren wir am zweiten Abend bei einer Operaufführung namens Aida in der Arena in Verona . Ein Oper, die stolze 4 Stunden gedauert hat und dreiviertel unserer Klassenmitglieder eingeschläfert hat. Sogar zwei Lehrer haben geschlafen und der dritte war damit beschäftigt, alle schlafenden Schüler zu photograhieren. Lustig, das ich auf keinem der Photos drauf bin. Ich muss aber zugeben , dass sogar ich, die absolut Theater und Co. begeistert ist, ab und zu meinen Kopf fallen gelassen hab und vielleicht für ein oder zwei Momemente die Augen geschlossen hab.Als ich dann endlich meinen Platz zum bequem schlafen gefunden hab, war die Aufführung vorbei.
Die Lehrer haben uns noch ne Stunde Ausgehzeit gegeben aber das seltsamste - niemand wollt sie haben. Wir wollten alle einfach nur mehr zurück ins Hotel. Während der Fahrt haben dann fast alle geschlafen. Wir waren etwa zu 8 wach und es war unheimlich toll. Wir haben sinnlose Witze erzählt, Lieder gesungen und einfach nur Blödsinn geredet.
Am ersten Abend waren wir unten in der Stadt aber da dort überhaupt gar nichts los war, sind wir fast alle abends oben im Hotel geblieben und haben Parties veranstalltet. Meistens waren noch andere Mädchen da, die ebenfalls im selben Hotel mit uns gewohnt haben. Am letzten Abend, haben wir sogar getanzt. Einen Crashkurs für “fetzige Moves”. Nur blöd, dass sie bei Mädchen seltsam aussehen.
Irgendwann sind wir wohl zu laut geworden mit der Musik, und ne Frau hat uns zusammen geschrien. Dann sind wir in einer kleineren Runde gemützlich zusammen gesessen und haben geplaudert.Das war der erste Abend an dem ich als letzte gegangen bin und das nur weil die Zimmerbesitzer schlafen wollten.Ich hab mit einem Freund geplaudert und mich so wohl gefühlt, dass mein Zimmer oben einfach nicht den geringsten Reiz hatte.Aber da ein anderer Freund bei mir übernachten wollte und er mich schon zweimal holen gekommen ist, konnte ich nicht mehr bleiben.
Seine Zimmerkammeraden waren sowas von absolut betrunken, dass er nicht mal mehr in das Zimmer rein gehen konnte. Als die Lehrer in der Nacht ihn gesucht haben, musste er wieder in sein Zimmer. Das hat mir dann echt leid getan, weil gewisse Leute einfach keine Grenzen mit Alkohol kennen. Aber es war auch toll, mit ihm im Zimmer zu liegen und einfach über sehr persönliche Sachen zu reden.
Die Sache mit dem Alkohol. Hm.
Also ich kann wohl nicht die scheinheilige vorspielen. Ich war noch nie betrunken bis jetzt weil ich einfach zu realistisch bin für sowas. Irgendwann schaltet sich mein Kopf ein und sagt Stopp. So kommt es also, dass ich so gut wie überhaupt keinen Alkohol trinke. Aber diesmal hab ich die Sache irgendwie aus meiner Kontrolle verloren. Ich hab zu viel verschiedene Sachen zu schnell getrunken und war dann - hm - sehr lustig drauf.
Das Gefühl war unheimlich seltsam. Ich hab dauernd versucht, mich zusammen zu reisen. Wieder unter Kontrolle zu bekommen, aber die Wirkung ist immer schlimmer geworden und das obwohl ich dann nichts mehr getrunken hab. Ich war dann recht glücklich das der Daniel dann da war und mich in mein Zimmer hochgebracht hat und bei mir war. Denn wenn sich alles einfach nur mehr dreht und man nichts mehr richtig spürt, ist das einfach eine seltsame Sache.
Ich wollte es immer wissen, wie es ist mal richtig betrunken zu sein. Eine Erfahrung, die ich jetzt hatte aber nicht unbedingt wiederholen möchte. Ich hab dann die restlichen Abende dann auch kaum mehr was getrunken. Nicht nur weil jemand immer geschaut hat, ob ich meine Grenzen nicht übertrette, sondern einfach weil ich das Zeug nicht schlucken konnte. Die gute Laune ist sowieso durch das Tanzen dann aufgetaucht.
Die Hin aber vorallem die Rückfahrt war auch toll. Ich hab mich dauernd rückwärts auf meine Knie gesetzt um mit den Leuten hinter mir auch reden zu können. Daneben gab es Boxen mit Musik und für mich ist die lange Fahrt wie einige Minuten vergangen und heute vermisse ich das ganze irgendwie. Kein gemeinsames Frühstück. Keine Zimmer in die man reinstürmen kann, keine Geschichten wenn man danach fragt. Es ist so leise und irgendwie leer und die Tatsache das jetzt bald die Schule vorbei ist, und ich eigentlich alle erst nächstes Jahr wiedersehe, macht mich traurig.Denn mir ist bewusst geworden, dass ich mich sehr sehr wohl fühle in dieser Klasse und viele tolle Menschen immer um mich hatte. Vorallem eine Person, mit der ich bis jetzt recht wenig zu tun hatte, ist mir jetzt erst richtig aufgefallen und ich hoffe, dass sich das bis nächstes Jahr nicht ändert.
Aber jetzt ist es vorbei. Und als ich mein Handy wieder eingeschaltet hab und die ganzen Anrufe und Nachrichten bekommen hab, wurde mir klar, dass ich absoluten Blödsinn gedreht hab. Hab mich bei allen nur einmal am Ankunftstag gemeldet hab und dann gar nicht mehr. Ich hab absolut egoistisch gehandelt und einfach verlangt, dass alle akzeptieren dass ich mich nur einmal melde und dann die meine Welt daheim aus meinem Kopf lösche.Ich weiß wie verletztend das für alle ist, aber alle wissen das ich das immer so mache. Es ist meine Art und wenn ich weg bin von daheim, dann bin ich einfach “Ich”.
Dann gibt es nur den Moment und ich hab sogar meinen Freunden verboten, gewisse Themen und Namen niemals mir gegenüber anzusprechen.Für dessen einhaltung bin ich unheimlich dankbar. Denn manchmal braucht man einfach eine kleine Pause um den Alltag wieder mit vollem Elan angehen zu können.
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- Published:
- 6.30.06 / 9am
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