Anpassung

Wenn ich jetzt in den Spiegel schaue kenne ich den Spiegel nicht mehr. Ich kann ihn nicht mehr mit dem gleichen Spiegel in verbindung bringen, in den ich seit Jahren immer geschaut habe. Er passt nicht mehr in mein Zimmer.

Es hat sich vieles verändert. Das wovor ich so große Angst hatte, ist wohl eingetretten. Nicht nur mein Stil hat sich verändert. Die Haare sind kürzer, dunkel und anders. Ich kümmere mich darum. Die rosa Sachen aus meinem Kasten sind in den Hintergrund gerückt. Stiefel die auf Boden klappern und Handtaschen statt Rucksäcken.

Wenn ich auf der Uni mit anderen reden möchte oder auf Parties mich unter die Menge mische, gibt es die lustigen Gekitzel und geärgere Sachen nicht mehr. Dagegen muss ich über Politik und andere Sachen bescheid wissen. Ein aufrechter Gang, ein Pfefferspray in der Tasche. Das gutgläubige ist vorbei. Man muss aufwachen.

Keine Beurteilung, nur Selbsttrieb. Niemand kümmert sich um andere Tätigkeiten. Man selbst ist im Mittelpunkt und sucht sich Menschen die dazu passen. Niemand zeigt, was er wierklich denkt.

Ich lerne dieses verachtenswerte Spiel. Musste verstehen, dass es dazu gehört.

Irgendwann mal hat man die Wahl zwischen Kind bleiben und Erwachsen werden. Wie gerne wäre ich das Kind geblieben aber ich habe keine Möglichkeit. Ich habe mich wohl für das andere entschieden. Dann treten all die Kleinigkeiten die einen bisher beschäftigt haben in den Hintergrund.

Die Person die jetzt vor dem Spiegel steht ist mir fremd. Ist nicht so, dass sie böse wäre aber sie ist einfach fremd.

Ich frage mich, wie ich mir vorher noch so sicher sein konnte, dass ich viel weiß. Wie schnell hat sich das geändert. Kein herum hüpfen mehr aber dafür keine extremen Depressivphasen. Keine hohen Zielsetzungen mehr aber dafür Ruhe. Wenn ich meine Stimme höre, dann finde ich sie beruhigend. Sie ist stabil. Sie ist nachdenklich. Die Sachen vesetzen mich nicht mehr so unter Strom. Alles ist irgendwie wie ein Film der abgespielt wird. Alles was erledigt werden muss, wird gestoppt und gemacht. Wenn es nicht geht lasse ich es. Ein Art innerer Ruhe. Ein Waffenstillstand mit mir.

Von meiner Umwelt verlange ich nichts mehr. Wer mit mir zu tun haben will, soll es machen. Ich werde mein Zutun dazu nicht verweigern. Auch wenn ich weiß, dass es mich früher verletzt hat. Von den mir wichtigen Leuten, die immer Anpassung verlangt haben verlange ich jetzt das Gleiche. Sie sind überrascht und wissen zum Teil nicht was sie machen sollen, wie sie reagieren sollen. Aber es ist mir egal. Ich habe es für die Ruhe getan und werde diese auch aufrecht erhalten.

Muss zugeben, dass die Zeit wo alles noch so schön kindlich war, schon fast vergessen ist.  Die letzte Situation ist noch klar in meinem Kopf. Sie bringt mich fast zum weinen. Aber das mache ich nicht mehr. Habe durch diese Situation verstanden, dass Träumen in dieser Welt keinen Platz hat.  Nicht ohne den Verlust der Realität.

Ich habe viel zu vielen Leuten weh getan. Hab mein Herz viel zu oft betrogen und es zerschlagen. Es konnte einfach nicht mehr. Die alte Hoffnung, der Lebenswille, der Glaube, das was mich früher ausgemacht hat existiert nur mehr im Hintergrund und ich frage mich ob es stirbt oder irgendwann mal wieder zum Leben erwacht.

Jetzt habe ich mich eurer Welt angepasst.