Weiterentwicklung
Die Sachen entwickeln sich weiter. Die Welt entwickelt sich weiter. Ich nehme mir keine Zeit um in den Spiegel zu sehen. Will die Weiterentwicklung eigentlich nicht sehen. Aber ich spüre sie. Mein Herz zerbricht. Vielleicht hat der Zerfall schon vor Ewigkeit begonnen. Jetzt klebt ein dickes Band Klebeband darum um die abfallenden Brocken aufzufangen und es zusammen zu halten. Irgendwann mal kann es sich selbst wieder reparieren. Doch jetzt dreht sich einfach alles weiter.
Ich habe so lange nicht mehr geschrieben. Eigentlich schon lange nicht mehr nachgedacht. Ich kann für all die Sachen die in der letzten Zeit waren keine Synonyme mehr finden. Kann sie nicht umschreiben und somit darf ich sie nie erwähnen. Darüber zu reden hilft nicht. Die Zeit abzuwarten auch nicht. Also bleibt mir nichts anderes übrig als mir zu sagen, dass ich es von Anfang an gewusst hab. Ich werde durch die Erfahrung auf die Nase fliegen und mir im Nachhinein sagen, dass ich töricht war und den Kopf schütteln. Wie konnte ich nur sowas machen? Aber durch Erfahrung lernt man schließlich. Diesmal ist die alles erkennende Weißheit jedoch weg geblieben. Es ist einfach verschwunden und zurück bleibt nichts. Absolute Leere. Keine Ahnung was da schief gelaufen ist, keine Ahnung wie ich damit umgehen soll.
Anscheinend ein Fehler desen Durchführung ich mich nicht erinnere. Also sitze ich da, versuche zu atmen und mir zu sagen, dass eben die Erkenntniss diesmal ausgeblieben ist aber im Endeffekt das Ergebniss das selbe ist. Zurück bleibt nur Sprachlosigkeit. In der einen Sekunde sieht die Welt so großartig ist und ich habe gelernt nicht zu verlangen sondern die Zeit arbeiten zu lassen und einen Millimeter vor dem Ziel ist alles weg. Einfach wortlos verschwunden.
Aus all diesen nicht geschehenen Erinnerungen habe ich meine Realität durcheinander gebracht. Man könnte es einfach “ich habe gelebt” nennen. Wenn ich ehrlich bin hat es mit dem Tod zu tun. Ich habe nachgedacht über die ganze Sache und zwar immer gesagt, dass man das Leben jetzt leben muss es aber im Endeffekt nie gemacht.Außer jetzt. Ich habe meinen Alltagstrott verändert, mich geöffnet und meinen Verlobten aus meiner Welt geworfen. Es ging soweit, dass ich aus einer dummen Laune einfach gehen wollte. Eine neue Wohnung, ein eigenes Auto, ein neuer eigenständiger Zukunftsplan. Er kommt darin nicht vor. Er hat ohne zu zögern zugesagt. Einen Monat später erinnert nichts mehr an mich in seiner Wohnung. Mein erstes Auto steht vor der Tür und die Uniunterlagen sind abgeschickt. Im Nachhin tut es ihm leid. Es war nur eine Kurzschlussreaktion. Aber er hat mich einfach so gehen lassen, zum zweiten Mal, und die Folgen sind fatal.
In der Arbeit läuft im Moment alles drunter und drüber. Ich mache dauernd Fehler und verzweifle. Ich weiß nicht wie ich das bisher anders gemacht habe. Ich weiß nicht was sich verändert hat. Habe dadurch vielleicht das wichtige verloren. Möchte so gerne schreien. Wenn ich es gewohnt wäre zu fluchen, würde ich es jetzt tun. Ich verzweifle. Weiß nicht wie ich das hinbekommen soll. Will meinen Kollegen nicht enttäuschen, will das Vertrauen und das perfekte Team das in dem Jahr entstanden ist nicht kaputt machen. Spüre wieder dieses extreme Gefühl von weglaufen wollen. Von zweifel. Wieso habe ich nicht einfach meine Koffer gepackt und anderswo neu angefangen. Ich träume immer nur davon, rede davon aber mache es nie. Spüre wie der Traum langsam verblasst und sich an Hoffnungslosigkeit klammert. Wieder die Frage ob dies der richtige Weg war. Versuche meinen Kopf zu heben und dieser unsichtbaren Macht in die Augen zu sehen. Irgendwie sinnlos. Wie kann man sich selbst, wenn man sich nicht sieht, trotzen. Ich wäre so gerne einen der anderen beiden Wege gegangen und habe beide innerhalb von Sekundenbruchteilen kaputt gemacht. Ich glaube ich habe in der letzten Zeit mehr kaputt gemacht, als ich weiß bzw. mir eingestechen möchte. Aber ich bin erwachsen. Ich muss diesmal stehen bleiben. Darf nicht verzweifeln. Es gibt kein zurück und diesmal weiß ich, dass alles in meiner Hand liegt auch wenn das heißt, ruhig zu sein und nicht verzweifelt nach Erinnerungen fischen.
Ich habe das Buch “Die Hexe von Portobello” von Paulo Coelho gelesen. Darin sucht die Hauptfigur dauernd nach einer Lösung für die kurzen Momente der Stille. Diese kleinen Momente die ihr sonst perfektes Leben vollkommen unnützt machen. Ich suche auch nach einer Lösung. Eigentlich keine Lösung sondern vielmehr einen Zustand der Akzeptanz.
Die Deutung einer meiner vielen Träume in der letzten Zeit sagt “Heilende Einsamkeit genießen um wieder Selbstachtung und Frieden zu bekommen”. Unbewusst suche ich danach. Ich brauche es im Moment und bin eigentlich glücklich das ich die ersten dafür notwendigen Dinge dafür getan habe. Aber jetzt ist aufeinmal soviel Information da. Soviele Gedanken und Erkenntnisse, dass ich mich dumm fühle. Ich kann sie nicht aufnehmen. So als ob mein Lernpegel im Moment sagt: “Stopp, das ist zu viel. Ich kenne mich nicht aus. Ich lerne jetzt nichts von dem.”
Also stehe ich mit offenem Mund vor dem Gehirntor und frage mich, ob meine ganze Selbsteinschätzung mein ganzes Leben umsonst war.
Meine Träume werden immer intensiver. Sie weißen alle auf eine blinkende rote Ampel. Wach auf. Sieh endlich was du sehen musst sonst hat es fatale Folgen. Ich versuche hinzusehen aber sehe nichts. Verzweifle. Weiß einfach nicht was los ist. Was war jetzt der falsche Weg? Ist das überhaupt der falsche Weg? Ich laufe nicht mehr direkt vor Schwierigkeiten davon, das ist doch gut? Was soll ich also tun? Es ist so, als ob ich auf eine Mauer zusteuere und weiß, dass sie da ist und sie mich verletzt aber ich sehe sie nicht und ein Rollband bringt mich direkt dahin. Spüre das es bald soweit ist aber kann nicht ausweichen.
Eigentlich habe ich meine Lösung gerade beschrieben. Das Rollband. Soll es soetwas wie ein anderer Weg sein? Soll ich einmal etwas anderes machen um endlich zufrieden zu sein mit meinem Leben? Aber was ist das andere? Was sehen alle anderen von mir und in mir, dass ich nicht fassen kann. Das mir so fremd ist obwohl ich es zeige. Es ist wie mein zweites Ich das neben mir spazieren geht. Nur bin ich so damit beschäftigt selbst zu gehen, dass ich mir keine Zeit nehme zur Seite zu schauen und zu erkennen, was ich dort mache.
Es hat sich heuer also alles Weiterentwickelt, außer meinem Gehirn das durch die ganze Entwicklung einfach stehen geblieben ist. Da gibt es im Moment das Lied von Silbermond “Irgendwas das bleibt”. Es beschreibt meinen Gefühlszustand in Moment perfekt. Ich, diejenige die niemals irgendwo zuhause ist und immer im Chaos steckt und sich nichts mehr als weiter zu gehen wünscht, suche nach dem kleinen bisschen Halt und hoffe, es endlich zu finden oder zumindest einen Weg zu finden, wo ich ohne dem auch endlich mal zu meiner Inneren Ruhe komme.
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- Published:
- 4.1.09 / 6pm
- Category:
- Alltagsgeschichten
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