Authentizität
Eine weitere Stunde mit meinem Lieblingsprofesor (nun ja, circa die Hälfte meiner Stunden sind mit ihm also kommt das doch recht oft vor
Er hat über Authentizität gesprochen. Man kann sich zwar bemühen, die richtigen Wörter zu benutzen aber in einer Zwischenmenschlichen Begegnung werden etwa nur 20% durch Wörter geprägt. Man kann seine Körpersprache versuchen zu kontrollieren, aber spontane Reaktionen kann man trotzdem nicht abstellen. Die einzige Möglichkeit also wirklich überzeugend auf den Gegenüber einzuwirken ist durch Authentizität. Nur wenn man sich nicht verstellt, schafft man es den anderen zu überzeugen. Ihn denken zu lassen, dass alles in Ordnung ist und ihn dadurch eine Ebene mit einem selbst zu bringen. Nur dadurch können Barrieren verkleinert bzw. aufgelöst werden.
Im Zuge dieser Diskussion ist auch folgender Satz gefallen “If you can’t put your whole self into it, don’t do it”.
Authentizität bedeutet, einen Ausgleich zwischen seinem eigenen Kopf und dem eigenen Herzen zu finden. Niemand schafft es auf lange Zeit gesehen, etwas gut zu machen, wenn sein Herz nicht dafür spricht. Jeder braucht einen Ausgleich in seinem Leben. Etwas, dass auch die rechte Gehirnhälfte in Anspruch nimmt. Leider ist dies in unserer Gesellschaft nicht besonders angesehen. Der Westen, eher rational denkend benutzt nur den Kopf. Der Osten ist eher auf das Herz hörend. Während man im Westen das Wort “Burn Out” immer öfter hört, ist dies im Osten ein Fremdwort.
Wieso mich das wieder mal zum nachdenken gebracht hat, ist der witzige Zufall das ich diese Woche genau über sowas nachgedacht habe. Wie sehr soll man zu sich selbst stehen? Was ist wenn das Herz einem zuschreit nicht in diesen Bus einzusteigen - und man macht es trotzdem. Dann schreit es lauter jetzt nicht diese Straße entlangzugehen und der Bauch fängt an zu rebellieren, aber ich höre immer noch nicht hin. Dann klopft es so laut, dass ich Angst habe es könnte herausfallen wenn ich an einem Punkt stehen bleibe. Irgendwann mal resigniert es und ist ruhig. Dann ist nur mehr die Kraftlosigkeit da. An dem Punkt habe ich nachgegeben und bin gegangen. Es war die richtige Entscheidung.
Ich frage mich also, wie es möglich sein kann, dass das Herz so unendlich stark sein kann. Das es einen leiten möchte, wenn einem der Kopf das Gegenteil beschreibt. Rationale Überlegungen versuchen die Logik die Überhand gewinnen zu lassen aber Gefühle sind so viel stärker. Es fühlt sich nicht richtig an, dem Drang des Herzens nicht nachzugeben während dem Kopf zu folgen keinerlei Gefühle auslöst. Beides gehört aber zu einem selbst. Ein ständiger Kampf im eigenen Unterbewusstsein der sich manchmal bis nach außen durchkämpft.
Hier kommt wohl der Ausgleich ins Spiel den der Profesor beschrieben hat. Nur ein gemeinsamer Weg ist hier möglich. Auch wenn ich es für nicht richtig halte dem Herzen zu folgen, es nicht verstehen kann und mich eigentlich fast dafür schäme, so muss ich doch immer wieder einsehen, dass ein Nicht-Folgen immer die schlechtere Lösung ist. Die Frage ist also wie sehr steht man zu sich selbst? Auch wenn es heißt, dass man nicht in das Schema der Gruppe fällt. Wenn es Konsequenzen hat, wenn es bedeutet kein Teil von etwas zu sein.
Es ist schwierig authentisch zu sein, wenn man selbst nicht weiß, was man eigentlich will. Es ist aber noch viel schwieriger nicht authentisch zu sein.
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- Published:
- 9.17.11 / 10am
- Category:
- Alltagsgeschichten
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