Charakterstärke meiner Gefühlswelt

Mein Professor hat heute ein paar Sachen gesagt, die zwar irgendwie eh klar erscheinen aber bei weiterem Nachdenken in Verbindung mit diesem Tag an Wichtigkeit gewinnen. Im Chinesisches wird das Wort “Krise” durch zwei Zeichen dargestellt. Einzeln betrachtet bedeuten sie Schwierigkeit und Möglichkeit. Jede Krise, so schwer sie auch sein mag, ist gleichzeitig auch eine Möglichkeit.

Passiert etwas, dass wir als unpassenden Zufall bezeichnen, verstecken wir uns oft hinter der Bequemlichkeit und schieben die Verantwortung ab.  Wir versuchen uns einzureden, dass wir diese Herausforderung nicht beeinflussen konnten und deswegen daran gescheitert sind. Mein Profesor hat heute jedoch gemeint, dass uns das Leben immer vor Situationen stellt in denen wir unseren Charakter zeigen können. Bei Zufällen wird dieser Charakter auf die Probe gestellt. Kann er wirklich standhalten? Ist der Charakter wirklich so, dann kann uns der Zufall nichts anhaben. Es ist nur eine weitere Möglichkeit seinen Charakter unter Beweis zu stellen.

Gedanken haben einen so großen Einfluss auf unser Handeln und auf unsere Gefühle. Es war nur ein Gedankenspiel, dass ein wenig in die falsche Richtung ging und es hat mich aus meinem Weg geworfen. Es war so intensiv, dass es mich in dem Moment aus meiner Gefühlswelt hinaus geworfen hat. Kennt ihr das? Etwas ist so stark, dass man nicht sagen kann was es für ein Gefühl ist wenn man es formulieren möchte. Will man danach greifen und es beruhigen springt es hinaus und verschwindet im Unterbewusstsein und man lässt es zu weil man weiß, dass man im Moment sowieso nicht die Kraft hat es zu spüren.

Danach kommt ein Gefühl der Ruhe. Man versucht sich abzulenken und es scheint, als ob alles in Ordnung wäre. Aber bei genauerem hinsehen sind kleine Übrigbleibsel. Die Gedanken verschwinden ohne das man sie fassen kann, die Augen fühlen sich als ob man ewig lange geweint hätte. Die Welt rundherum ist verwaschen. Die Geräusche sind da, man sieht wie jemand die Lippen bewegt und doch braucht es so lange bis die Wörter das Ohr erreichen. Manchmal gehen sie auf dem Weg einfach verloren.

Das hat ein paar Stunden so gut funktioniert, dass ich fast vergesen habe, dass im Unterbewusstsein noch das Gefühl wartet. Es ist schwächer geworden aber es ist geduldig. Es wartet bis ich bereit bin es anzunehmen. Es verschwindet nicht. Ich habe Angst davor es zuzulassen weil die Wucht mit der es mich überschlagen wird mich in die Knie zwingen wird.

Aber so wie mein Profesor gesagt hat, eine Krise ist eine Möglichkeit. Es war ein seltsamer Zufall und jetzt wartet mein Charakter darauf, sich zeigen zu können. Halte ich das aus? Stelle ich mich dem ganzen und lerne etwas daraus? Oder verschliese ich mich noch? Überlasse ich es dem Zufall? Ich will schreien, ich will meine Fäuste gegen eine Wand werfen, ich will das es ein anderer Schmerz wird, denn damit könnte ich umgehen. Aber der Schmerz, dem man sich nicht stellen will ist immer der schlimmste. Der der warten kann, bis man nicht mehr die Kraft hat ihn zurück zu halten. Aber kann man etwas heraus lassen wenn man weiß, dass danach ein kleiner Weltuntergang folgt?

Ich will schreien aber ich habe keine Stimme. Ich will laufen, aber meine Beine bewegen sich nicht. Ich will weinen, aber die erlösenden Tränen kommen nicht mehr. Also will ich schlafen. Einfach nur schlafen bis die Heilung anfängt und Stück für Stück dieses Gefühles mit sich wegträgt.