Talente

Ich bin verkühlt. Und es geht einfach nicht weg. Normalerweise bin ich dann sogar immer nach Hause zu Mami gefahren. Das ist wohl einfach die Natur des Menschen. Wenn es ihm schlecht geht, dann sucht er sich den Ort wo sonst immer alles ok ist. Dort ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten schnell wieder fit und nicht verletzbar zu sein. Im Laufe der letzten Woche wo ich eigentlich nur damit beschäftigt war zu atmen ohne einen Hustenanfall zu bekommen, hat mich ein Professor nach der Stunde zu sich gerufen um mit mir zu sprechen.  So wie in den Amerikanischen Filmen (übrigens er ist Amerikaner aber bei uns daheim hab ich so was noch nie mitbekommen. Ich hab also geduldig gewartet und mir angehört was er zu sagen hatte.

Es war übrigens der Professor von dem ich immer wieder mal was erzähle, weil ich seine psychologisch/philosophischen Gedankengänge sehr schätze und eine gelungene Abwechslung in meinem Kopf hervorrufen, als das ständige rationale Daheim.

Nach dem Gespräch, dass sehr positiv für mich war, habe ich mich irgendwie verloren gefühlt. Nicht weil ich alleine war sondern weil ich so voller Energie war und nicht wusste wohin damit. Ich habe versucht darüber zu sprechen, aber manchmal hilft auch das Formulieren in Wörter nichts. Es ist sogar für mich manchmal nicht genug ein nettes Gefühlspaket mit Wörtern zu kreieren. Es wundert mich, dass ich mich immer wieder dabei ertappe, dass ich denke in einem abgeschlossenem Vakuum zu leben. Andere als nicht aufmerksam genug ab zu stempeln Eindrücke aufzunehmen. Sie verlassen sich auf den ersten Eindruck, denn ich hinterlassen möchte. Das meinen einige wohl mit Manipulation. Aber einige Menschen sehen mehr. Sie sehen einen an, beobachten und hinterlassen ein Gefühl, dass es in Ordnung ist so wie es ist. Aber in Wirklichkeit sehen sie viel mehr dahinter. Es ist fast so, als ob es einige Menschen gibt, die unabsichtlich durch den Vorhang hindurch sehen können. Einige machen das, weil sie es gelernt haben und diese Eigenschaft perfektioniert haben. Andere wiederum sind am Beginn ihrer Fähigkeiten. Vielleicht werden sie sie ausbauen, vielleicht ist es einfach ein “Talent” um das sie sich nie mehr weiter kümmern werden und es ihr Leben lang so bleibt.

Mehrere meiner Professoren erwähnen immer Geschichten von Menschen die erfolgreich geworden sind, indem sie sich getraut haben loszulassen. Indem man das Vertraute nicht festklammert, ist man gezwungen sich entweder auf etwas ganz Neues einzulassen oder aber sich mit sich selbst und den eigenen Talenten zu beschäftigen. Es heißt ja, dass das Zeitalter des Wissens langsam ersetzt wird durch das Zeitalter der Kreativität. Wissen kann sich jeder aneignen der gewisse Ambitionen und natürlich auch Neigungen hat. Dadurch werden wir leichter ersetzbar und die Produktionen können nach China ausgelagert werden. Wirklich wertvoll werden wir nur durch unser Talent etwas anders, besser und innovativer als andere zu machen. Dieses kreative Talent hat nicht jeder. Es ist eben wie mit einem Talent. Einige können malen, singen oder eben habe eine etwas andere Denkweise.

Sollte man diesem Talent, in welcher Form man es nun auch hat, nicht nachgeben sondern es einfach irgendwo vergraben, dann wird es nicht einfach weggehen. Nein, man hat es immer mit sich. Es wird einen innerlich ein Leben lang begleiten und einen immer wieder in Erinnerung rufen, dass das was man macht, nicht das richtige ist. Es gibt einen Plan, dem man sich jedoch einfach widersetzt. Was passiert jedoch mit einem Maler wenn man ihn in die Buchhaltung setzt? Er wird nicht gut werden. Er wird nicht glücklich werden. Irgendwann mal sieht er es ein. Vielleicht mit 30 vielleicht erst mit 70. Was passiert dann? Er wird seinen Enkelkindern sagen, sie sollen nicht den gleichen Fehler machen und auf ihr Herz hören. Denn das kennt den Weg. Aber in der heutigen Gesellschaft haben wir gelernt, das Klopfen zu überhören wenn uns etwas glücklich macht. Den Sprung im Bauch als Krankheit ab zu stempeln, wenn uns etwas erfüllt und die Hoffnung mit Zufriedenheit zu vertauschen, weil es uns so gelehrt wurde.