Tanzen
Ich kann gar nicht sagen, wieso ich es so gerne mag. Außerdem schwärmen wohl alle Mädchen fürs Tanzen. Aber nach den Tanzkurse in der Schule war die Begeisterung immer noch nicht weg. Ich hab es einfach ganz weit weg vergraben und wenn ich dann irgendwo wenn Tanzen gesehen habe, dann hab ich gespürt wie die Sehnsucht danach an meiner inneren Oberfläche kratzt.
Hier, in Tallinn, gehört tanzen irgendwie dazu. Alle machen es hier. Es gibt jeden Tag Salsaabende und angeblich alle möglichen Veranstaltungen und Wettbewerbe. Kein Wunder, dass es mich also da hin gezogen hat. In den Aerobicstunden wird getanzt, bei den Tanzkursen wird getanzt. Alles scheint zu schweben und ich weiß gar nicht mehr wo ich alles hin gehen soll. Habe jetzt also wiedermal mit einem Salsatanzkurs angefangen, danach dann Bachata und Merengue angehängt und bei Aerobic gehe ich auch zu den Tanzstunden. Tango fängt auch an nächste Woche und ich bin am überlegen wie ich meinen Terminplan so koordinieren könnte, dass sich alles ausgeht.
Es war nicht so schön wie sonst immer weil ich hier zu den schlechteren gehöre, aber wenn der Lehrer mich dann rausholt des öfteren um Sachen vorzuzeigen, dann schlägt mein kleines Herz wie verrückt vor Freude und ich strenge mich so gut wie möglich an die Hüften locker genug zu schwingen. Was nach 2 Stunden eigentlich mehr anstrengend als lustig ist. Aber ich bin froh, dass es geht. Dass ich machen kann, was ich solange unterdrückt habe.
Ein Freund hat mich gefragt, wieso mir das Tanzen so gut gefällt. Ich schätze mal, es ist nur der Ausdruck. Ein natürliches menschliches Bedürfniss, nach außen mitzuteilen und das auf einem anderen Weg. Etwas wie Kunst, wie Bewegungen wenn Wörter nicht erklären können, was mich beschäftigt, was mich freut. Eigentlich Lebensfreude und Schwung, wenn man nicht hoch genug springen kann. Ist man nicht in dieser Stimmung, fehlt der Ausdruck.
Ich habe mich gestern nicht richtig so gefühlt, aber ich wollte nicht aufgeben. Habe es also einfach versucht und bin richtig stolz, weil ich es gestern und heute nicht besser machen konnte. Ich habe in den Spiegel gesehen und es hat sich nicht so angefühlt, wie es ausgesehen hat. Aber das ist gut, denn dadurch kann ich überprüfen, wann ich endlich eins sein werde. Eins mit meiner Wahrnehmung, meinen Taten, meinen Gedanken, meinen Gefühlen und dadurch nach außen austrahle, was ich im Inneren fühle.
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- Published:
- 10.3.11 / 1pm
- Category:
- Alltagsgeschichten
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